Mosaik-Schule (Anerkannte Tagesbildungsstätte)
Förderschule Schwerpunkt Geistige Entwicklung

Gesetzeslage

Niedersächsisches Schulgesetz (NSchG) §§ 162 - 166
- Fortsetzung -

E l f t e r   T e i l
Schulen in freier Trägerschaft

Fünfter Abschnitt
Tagesbildungsstätten für Kinder und Jugendliche mit geistigen Behinderungen

§ 162
Erfüllen der Schulpflicht

Kinder und Jugendliche mit geistigen Behinderungen erfüllen ihre Schulpflicht auch durch den Besuch einer anerkannten Tagesbildungsstätte. Mit der Anerkennung erhält die Tagesbildungsstätte das Recht, Beurteilungen vorzunehmen.

§ 163
Bezeichnung der Tagesbildungsstätte

Anerkannte Tagesbildungsstätten haben eine Bezeichnung zu führen, die eine Verwechslung mit Förderschulen ausschließt. Aus der Bezeichnung muss hervorgehen, dass es sich um eine Tagesbildungsstätte handelt. Ein Zusatz, der auf die Anerkennung als Tagesbildungsstätte hinweist, ist zulässig.

§ 164
Anerkennung der Tagesbildungsstätte

(1) Eine Tagesbildungsstätte soll für den Besuch von Kindern und Jugendlichen mit geistigen Behinderungen von der Schulbehörde auf Antrag als geeignet anerkannt werden, wenn

  1. der Träger der Tagesbildungsstätte einem Freien Wohlfahrtsverband angehört,
  2. Standort und Einzugsbereich der Tagesbildungsstätte mit den Standorten und Einzugsbereichen der Förderschulen zu vereinbaren sind,
  3. die Leiterin oder der Leiter der Tagesbildungsstätte sowie die dort tätigen Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter nach Ausbildung oder bisheriger Tätigkeit über die erforderliche Befähigung verfügen.

(2) Das Kultusministerium wird ermächtigt, die Voraussetzungen der Befähigungen nach Absatz 1 Nr.3 durch Verordnung näher zu regeln.

§ 165
Anzeigepflicht bei Änderungen

Jede Änderung der Anerkennungsvoraussetzungen ist der Schulbehörde anzuzeigen.

§ 166
Erlöschen der Anerkennung

Die Anerkennung erlischt, wenn der Träger die Tagesbildungsstätte nicht binnen eines Jahres eröffnet, wenn sie geschlossen oder ohne Zustimmung der Schulbehörde ein Jahr lang nicht betrieben wird.

Zum Elften Teil, "Schulen in freier Trägerschaft",

II. 2 Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung

2.1 Sonderpädagogischer Förderbedarf mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung

Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Schwerpunkt Geistige Entwicklung zeigen unterschiedliche Erscheinungsbilder in den verschiedenen Entwicklungsbereichen. Vielfach wird die Lern- und Lebenssituation der Kinder und Jugendlichen durch körperliche, psychische und soziale Bedingungen und Beeinträchtigungen in individueller Ausprägung zusätzlich erschwert. Aufgrund dieser Ausgangslage verfügen sie über unterschiedliche Entwicklungsmöglichkeiten, die durch Erziehung und Unterricht beeinflussbar sind.

Ausdrücklich sind Schülerinnen und Schüler einbezogen, die aufgrund der Schwere ihrer Beeinträchtigungen in allen Entwicklungs- und Lernbereichen auf fremde Hilfen angewiesen sind. Medizinisch-therapeutische, pflegerische, technische, psychologische und soziale Kompetenzen können erforderlich sein, um die sonderpädagogische Unterstützung im Unterricht zu gewährleisten.

Der individuelle Entwicklungsstand, die Begabungen und die Fähigkeiten, die Ergebnisse der bisherigen Förderung und die Gegebenheiten des sozialen Umfelds bestimmen den Förderbedarf.

Die sonderpädagogische Förderung im Schwerpunkt Geistige Entwicklung hat die Aufgabe, jeder Schülerin und jedem Schüler Hilfen zur Entwicklung der individuell erreichbaren Fähigkeiten und Fertigkeiten zu geben. Sonderpädagogische Förderung im Schwerpunkt Geistige Entwicklung beinhaltet eine alle Entwicklungs- und Persönlichkeitsbereiche umfassende Förderung in Unterricht und Erziehung mit den Zielen des Zugangs zu einer aktiven Lebensbewältigung, der Selbstentfaltung in sozialer Integration und zu allen Bereichen von Bildung und Kultur einschließlich der Kulturtechniken. Die Schülerinnen und Schüler können Förderung bei der Entwicklung von Wahrnehmung, Bewegung, Sprache, Denken und Handeln sowie Unterstützung zur selbstständigen Lebensführung und bei der Entfaltung ihrer Persönlichkeit benötigen.

Unterricht und Erziehung haben den Auftrag, ein Lernumfeld zu gestalten, in dem Kinder und Jugendliche ihre Persönlichkeit entfalten können, damit sie zur größtmöglichen Eigenständigkeit gelangen und Chancen zur eigenen Entwicklung nutzen. Dadurch wird es den Schülerinnen und Schülern ermöglicht, soziale Kompetenz zu erwerben, Umwelt zu erfahren und aktiv zu gestalten, Wissen zu erwerben sowie selbstbestimmt zu handeln.

2.2 Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung

Die Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung umfasst

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den Primarbereich mit den Schuljahrgängen 1-4,

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den Sekundarbereich I mit den Schuljahrgängen 5-9,

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den Sekundarbereich II mit den Schuljahrgängen 10-12.

Alle Bereiche bilden eine pädagogische und organisatorische Einheit.

Die Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung verfügt über die konzeptionellen, personellen, baulichen und sächlichen Voraussetzungen für eine umfassende Lern- und Entwicklungsförderung. Unter Berücksichtigung der regionalen Besonderheiten und Rahmenbedingungen stellt sie ein flexibles und differenziertes schulisches Angebot bereit. Unterricht und Erziehung werden in möglichst altershomogenen Gruppen auf die jeweiligen Bedürfnisse des einzelnen Schülers und der einzelnen Schülerin abgestimmt und im pädagogischen Gesamtangebot für die Klasse verwirklicht. Für besondere Lerninhalte können zur Differenzierung klasseninterne und klassenübergreifende Lerngruppen gebildet werden.

Therapeutische Maßnahmen sind einzeln oder in Kleingruppen unterrichtsbegleitend einzubeziehen, damit den Schülerinnen und Schülern eine durchgängige Teilhabe am Unterricht ermöglicht wird. In gleicher Weise sind notwendige medizinisch-pflegerische Maßnahmen einzubinden.

Die Bildungsziele und -inhalte beziehen sich auf das spätere private und berufliche Leben sowie auf das Hineinwachsen in kulturelle und gesellschaftliche Zusammenhänge. Der Grundsatz der Ganzheitlichkeit und die verschiedenartigen entwicklungsspezifischen Förderbedarfe bedingen ein hohes Maß an Differenzierung des Personaleinsatzes sowie Teamarbeit.

Förderschullehrerinnen und Förderschullehrer, Pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unterrichtsbegleitender und in therapeutischer Funktion stimmen die verschiedenen Maßnahmen in Bezug auf die gemeinsamen Förderziele aufeinander ab. Die Organisation und Koordination der interdisziplinären Zusammenarbeit liegen bei der Klassenleitung. Darüber hinaus sind eine intensive Zusammenarbeit mit Erziehungsberechtigten und eine Vernetzung mit außerschulischen Einrichtungen erforderlich.

Auf der Grundlage der Lernausgangslage und der Entwicklungsbedingungen der Schülerinnen und Schüler richtet sich der Unterricht nach

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der individuellen Förderplanung für jede Schülerin und jeden Schüler,

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den curricularen Vorgaben,

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der kurzfristigen Unterrichtsplanung als didaktisch-methodische Aufbereitung der Unterrichtseinheiten, in der auch die speziellen Aufgaben für die Pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter festgelegt werden,

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der Klassenplanung, die einen Überblick über das Unterrichtsangebot in überschaubaren Zeiträumen gibt,

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dem Schulkonzept als schulinternem Verteilungsplan, der die altersspezifischen Inhalte unter Berücksichtigung regionaler Gegebenheiten festlegt.

Unterricht wird in Form von speziellen Erlebnis- und Handlungseinheiten von unterschiedlicher Dauer, Vorhaben, Fächern, Projekten, Kursen, Lehrgängen und Arbeitsgemeinschaften erteilt. In der Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung erstrecken sich unterrichtliches und erzieherisches Handeln über den gesamten schulischen Tagesablauf. Die Vorbereitung und Einnahme der Mahlzeiten gehören zu den unterrichtlichen Aufgaben.

Die Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung wird in der Regel als Schule mit ganztägigem Unterricht geführt. Durch gemeinsame Aktivitäten mit anderen Schulformen und durch die Teilhabe am kulturellen und gemeinschaftlichen Leben in der näheren und weiteren Umgebung wird die soziale Eingliederung gefördert.

In der Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung werden Klassenarbeiten und schriftliche Überprüfungen nicht gefordert. Die Bewertung der Lernfortschritte erfolgt durch ein Zeugnis am Schuljahresende, bei Schulwechsel und bei Entlassungen. Die Zeugnisse enthalten Berichte über die Fortschritte in den einzelnen Lernbereichen und Fächern statt einer Benotung von Leistungen. Grundlage dafür sind die individuellen Förderpläne und Klassenpläne. Die Schülerinnen und Schüler rücken unabhängig vom Leistungsstand in den nächsten Schuljahrgang auf.

Beim Verlassen der Schule erhält die Schülerin oder der Schüler ein Abgangszeugnis, das in freier Form den allgemeinen Leistungsstand in allen Lernbereichen und Fächern beschreibt. Es ist zu vermerken, ob die Schülerin oder der Schüler die Schulpflicht erfüllt hat. Alle Zeugnisse und Berichte und die sich daraus ergebenden Maßnahmen sind mit den Erziehungsberechtigten zu erörtern.

2.3 Tagesbildungsstätten

Kinder und Jugendliche mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung können ihre Schulpflicht auch in einer anerkannten Tagesbildungsstätte erfüllen. Tagesbildungsstätten sind ein wesentlicher Bestandteil der umfassenden Eingliederungsmaßnahmen für Kinder und Jugendliche mit einem Förderbedarf im Schwerpunkt Geistige Entwicklung. Die Schulbehörde kann mit Zustimmung der Erziehungsberechtigten auch entscheiden, dass Kinder und Jugendliche eine anerkannte wohnortnahe Tagesbildungsstätte zu besuchen haben, wenn der Träger der Einrichtung zustimmt. Das Einvernehmen mit dem Träger der Schülerbeförderung ist herzustellen.

Für die Tagesbildungsstätten gilt der im Niedersächsischen Schulgesetz festgelegte Erziehungs- und Bildungsauftrag. Die Arbeit in den Tagesbildungsstätten ist darauf gerichtet, jeder Schülerin und jedem Schüler zu einer ihr und ihm möglichen Selbstentfaltung in sozialer Eingliederung zu verhelfen.

Die pädagogischen und therapeutischen sowie die inhaltlichen und organisatorischen Angebote in den Tagesbildungsstätten orientieren sich grundsätzlich an denen der Förderschulen mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung. Das verbindliche Leistungsangebot einer Tagesbildungsstätte ist in der Leistungsbeschreibung festgelegt, die der zuständige Träger mit dem Land Niedersachsen abgeschlossen hat. Das Angebot beinhaltet das Vorhandensein einer Konzeption für die jeweilige Tagesbildungsstätte.